Bibliothek oder nicht?

Wie sicher einige von euch mitbekommen haben, muss die Bibliothek demnächst geschlossen werden. Wir haben deshalb ein Interview mit unserer Schulbibliothekarin Frau Jäkel geführt und sie nach ihrer Meinung zu diesem Thema gefragt.


Was hat es mit der Schließung der Bibliothek auf sich beziehungsweise warum müssen Sie die Bibliothek dicht machen?

Generell ist zu sagen: Die Schulbibliothek gehört leider nicht zur Schule. Sie ist also nicht im Haushaltsplan der Schule integriert, sondern wird von der Stadt Leipzig gefördert. Die Stadt Leipzig sucht sich wiederum Unternehmen – also kommunale Betriebe – damit über deren Stelle die ganze Abwicklung erfolgt und die Stadt an sich nicht die ganze Arbeit hat.

Fakt ist: Die Stadt Leipzig stellt das Geld für die Öffnung der Bibliotheken und der Bezahlung derer Mitarbeiter zur Verfügung. Die Maßnahme, die ich jetzt habe, seit 1. Februar 2016, ist begrenzt bis 31. Dezember 2018. Das ist uns allen klar, der Vertrag lief nur über diese Zeit und die Maßnahme endet jetzt – Punkt!

Seit Frühjahr diesen Jahres haben wir (ein paar Bibliothekare) uns bemüht auf diese Problematik zum Ende des Jahres aufmerksam zu machen. Sprich: Wir haben das Thema „Schulbibliotheksschließung“ angesprochen. Dazu gab es von der Christian-Gottlob-Frege Schule eine Petition, die der dortige Schülerrat verfasst hat. Diese Petition war auch online über die Stadt Leipzig zu finden. Es konnte sich jeder mit seiner Unterschrift beteiligen.

Davon abgesehen habe ich im Mai hier im Schulgebäude die Petition groß an einem Aufsteller am Eingang ausgehangen und um Unterstützung und Unterschrift gebeten.

Darauf habe ich auch zum Hoffest nochmals ganz deutlich aufmerksam gemacht und geworben. Im Hintergrund läuft das Rädchen zur Weiteröffnung und zur Weiterbeschäftigung von uns fünf bis sechs Bibliothekaren weiter. Wir haben uns also bis zum Kultusministerium vorgearbeitet und verschiedene Schreiben verfasst, die dazu gedient haben die Schließung zu verhindern. Am 24. Oktober ging die  Petition in den Stadtrat der Stadt Leipzig – zur Beschlussfassung. Zu dieser Beratung waren wir anwesend und haben uns auch bemerkbar gemacht. Der Oberbürgermeister hat dies wohlwollend begrüßt und hat die Beschlussfassung zur Weiteröffnung der Bibliotheken und Übernahme deren Mitarbeiter zur Abstimmung gebracht. Die Beschlussvorlage wurde mehrheitlich angenommen, sodass  der Oberbürgermeister nunmehr gezwungen war, das Ganze zur weiteren Bearbeitung in seinem Haus weiterzugeben. Zur Zeit liegt der Sachverhalt beim Verwaltungsbürgermeister der Stadt Leipzig mit der Bitte um Überprüfung der finanziellen Mittel – Es dreht sich hier immer nur um das Geld!

Nun haben wir – das ist ganz aktuell – am 14. November von der Stadt Leipzig eine Reaktion erhalten worin unter anderem steht, dass man sich bemüht bis Frühjahr 2019 eine Entscheidung zu treffen. Das heißt, es kann durchaus passieren, dass die Schulbibliothek bis April/Mai – wer weiß, was die unter „Frühjahr“ verstehen – geschlossen bleibt und damit hier auch niemand für die Ausleihe zuständig ist, hier niemand rein kann.

Die Bibliothek ist zu und ich habe meinen Job los!

 

Ich würde sehr gerne bei euch bleiben. Ich würde sehr gerne ab 7.  Januar wieder hier in der Bibliothek stehen um euch zu betreuen. Ich möchte mich bei allen Schülern hier bedanken: Ihr habt mich mit Respekt hier aufgenommen. Es gab keine Vorkommnisse, keine ernsthaften Vorkommnisse. Es war ein wunderschönes Arbeiten mit euch und ich bedauere es sehr, dass ich gehen muss. Ich habe auch nochmal mit Frau Raupach gesprochen. Ich kämpfe darum, dass ich wieder hierher kann.

 

Das heißt es besteht die Möglichkeit, dass sie im Frühjahr wieder hierher kommen könnten?

Prinzipiell besteht da eine Möglichkeit, dass ich im Frühjahr wieder da bin, aber versprechen kann ich Nichts. Es kann auch sein, weil das eine Fördermaßnahme ist, dass eine andere Person diesen Platz hier übernimmt. Aber ich möchte es verhindern und so wie ich die Frau Raupach verstanden habe, ist das auch gewünscht, dass ich wieder herkomme.

 

Welcher Ort soll die Bibliothek in ihrer Aufgabe als Hausaufgabenzimmer, Recherchemöglichkeit oder auch teils als Pausenraum ablösen? Letzteres natürlich nur unter der Maßgabe, dass man niemand anderen stört oder benötigte Plätze blockiert.

Keines! Schlicht und einfach keines! Es gibt keine Alternative zur Schulbibliothek. Das ist Sache der Schule, dies zu klären.

 

Welche Probleme treten auf, wenn eine neue Person diese Stelle übernehmen würde?

Prinzipiell erst einmal keine, denn der Kollege fängt ja dann genauso neu an, wie ich und muss sich in diese ganze Sache einarbeiten, aber ich sage jetzt mal, da ich jetzt schon drei Jahre hier bin und das Vertrauen gewachsen ist, zwischen Schülern und mir und zwischen der Schule und mir, den Lehrern und mir und der Frau Raupach und mir, würde es natürlich Sinn machen, wenn man eine Mitarbeiterin übernimmt, die das Ganze nun schon drei Jahre lang führt. Aber prinzipiell – ja, natürlich – kann es hier eine neue Person geben. Welchen Charakter diese Person dann hat, wie die mit euch umgeht und wie diese Person die Bibliothek führt, das weiß ich nicht. Das liegt dann an dem neuen Mitarbeiter selbst.

 

Was geschieht dann mit Ihnen, angenommen, sie kommen nicht wieder in diese Bibliothek?

Ich bin definitiv ab 1.1. arbeitslos und langweile mich zu Hause, weil ich keine Arbeit habe. So sieht es aus!

 

Was halten sie von der Schließung?

Schulbibliotheken zu schließen ist absoluter Nonsens und es hat hinter den Kulissen immer nur etwas mit Geld zu tun. Die schieben sich alle nur die Gelder hin und her. Es ist fürchterlich! Ich kann diese Ausrede „Wir haben kein Geld“ nicht mehr hören.

Man hört jeden Tag, es soll mehr in die Bildung, in die Schulen investiert werden und es wird immer schlimmer, das Chaos wird immer größer in den Schulen. Und warum Schulbibliotheken nicht mit zu den Schulen gehören, verstehe ich gleich gar nicht. Also, ich halte es für absoluten Nonsens.

 

Was können wir gegen die Schließung tun?

Ihr könnt immer wieder der Stadt Leipzig schreiben, immer wieder dem Oberbürgermeister schreiben. Ihr könnt an die schulbibliothekarische Arbeitsstelle, an die Frau Benter, schreiben. Auch die ist schlussendlich mit bei der Entscheidung dabei, ob und wann und wer die Bibliothek wieder öffnet. Also immer wieder kundtun, den Leuten auf die Nerven gehen, die überhäufen mit Briefen, Beschwerden und Sonstigem. Immer wieder bemerkbar machen und sich an der Petition beteiligen, das ist das, was ihr machen könnt!


Was haltet ihr von der Schließung? Schreibt es uns in die Kommentare!

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