Briefe, die die Welt verbessern

Heute ist der 10. Dezember. Ein ganz normaler Tag, bis auf das Türchenöffnen des Adventskalenders vielleicht. Könnte man meinen…

Doch nicht nur das, heute ist auch der Internationale Tag der Menschenrechte. Jetzt könnte man sagen: Was hat das mit uns zu tun, uns geht es doch gut und die Menschenrechte werden hier in Deutschland üblicherweise eingehalten. Sie stehen ja im Grundgesetz. Wenn man sich dann jedoch einmal vom Geist der Weihnacht leiten lässt und darüber nachdenkt, wie es bei anderen Leuten in anderen Ländern um diese Rechte steht, dann würde man vermuten, dass diese ebenfalls mit diesen Rechten vertraut sind. Die meisten Länder (ungefähr 193, alle außer Nichtmitgliedern: Taiwan, die Vatikanstadt, Palästina, Nordzypern, (West-)Sahara, Kosovo und einige Pazifikinseln) sind in der UN (United Nations) vertreten, welche die Anerkennung der Menschenrechtserklärung als Grundsatz hat.

Und dann erfährt man vom Briefmarathon der Amnesty International und den Menschenrechtsverletzungen und es ist um einen geschehen. Amnesty International ist die weltweit größte Bewegung, die für Menschenrechte eintritt. Sie besteht aus mehr als sieben Millionen Mitgliedern aus aller Welt und wird, um Unabhängigkeit von Staaten und Institutionen zu bewahren, nur durch Spenden und Mitgliedsbeiträgen finanziert.

Durch Kampagnen und andere Aktionen treten sie immer wieder für die Menschenrechte ein. So auch mit dem alljährlichen Briefmarathon. Dieser findet immer vom 29.11. bis zum 23.12. statt. Das Ziel: Schreiben für die Freiheit.

Durch Briefe an unterdrückte Menschen oder deren Regierung etwas bewirken? Es funktioniert!

Im letzten Jahr wurden 5,5 Millionen Briefe, E-Mails, Appelle und Unterschriften gesammelt. Der tschadische Blogger Mahadine wurde im April 2018 aufgrund von 690.000 Briefen freigelassen. Auch der türkische Amnesty-Ehrenvorsitzende Taner Kilic wurde nach 400 Tagen durch die Aktion aus unschuldiger Haft entlassen. Die inhaftierte ägyptische Aktivistin Hanan Badr el-Din erhielt aufgrund von 1,5 Millionen Beschwerden aus aller Welt endlich medizinische Versorgung, welche sie dringend benötigte.

Beteiligen kann sich jeder, indem er die verantwortliche Regierung mithilfe von Appellen auffordert, den Betroffenen freizulassen oder zu schützen. Die Möglichkeit Solidaritätsbriefe an die Menschen, die zu unrecht im Gefängnis sitzen oder bedroht werden zu schreiben, um sie wissen zu lassen, dass man an sie denkt und sie unterstützt besteht ebenfalls. Vorlagen und weitere Informationen dazu finden sich auf www.amnesty.de/briefmarathon. Man kann natürlich auch selbst kreativ werden. Die Adressen der Personen werden dort ebenfalls angegeben. Jedes Jahr werden verschiedene Personen vorgestellt, die unterdrückt, verfolgt oder eben zu unrecht inhaftiert werden. Diesmal ist die Aktion starken Frauen gewidmet. Atena Dami fordert die Abschaffung der Todesstrafe im Iran, wo manche Hinrichtungen sogar öffentlich stattfinden. Sie verteilte Flugblätter, twitterte, nahm an Kundgebungen teil, trat 2017 in den Hungerstreik, um auf die unmenschlichen Haftbedingungen dort aufmerksam zu machen und wurde ohne rechtliche Grundlage selbst verhaftet. Anklagen wurden gegen ihren Vater und ihre Schwester konstruiert und ihr, ihrer kranken Mutter und Schwester Gewalt angetan. Trotzdem setzt die mutige Frau sich weiterhin für ihre Meinung ein und verstummt selbst im Gefängnis nicht.

Die Ukrainerin Vitalina Kovai hingegen kämpft an anderer Stelle für die Rechte von Homosexuellen. In ihrem Land müssen junge Menschen, die nicht heterosexuell sind, ihr Zuhause verlassen, so genannte „Therapien“ über sich ergehen lassen,oder zu Priestern gehen, um den „Teufel ausgetrieben zu bekommen“. Rechtsextreme treffen sich nachts, um sie zu jagen, die oft selbst homophoben Polizisten tun nichts dagegen. Durch die ständigen Repressalien sind Selbstmorde bei Homosexuellen häufig. Vitalina Kovai wurde gewürgt, weil sie ihre Freundin küsste, beleidigt, angegriffen, ihr schwuler Freund mit einem Messer attackiert. Durch eine darauffolgende Eilaktion der Amnesty International wurde dieser Fall jedoch von der Polizei wenigstens als Straftat registriert, womit eine Verfolgung der Täter erst möglich wird.

Ein Schreiben kann also viel bewirken.

Jeder von uns kann etwas bewirken.

Nehmt an der Aktion teil, zeigt diskriminierten Rollstuhlfahrern aus Kirgisistan euer Mitgefühl, unterstützt Minderheiten in Kenia, deren Häuser niedergebrannt und Mitglieder erschossen werden um sie zu vertreiben, versucht eine, aufgrund von kritischen Äußerungen zu Umweltskandalen des Landes, unter schlechten Gesundheitsbedingungen in Haft lebende Vietnamesin zu befreien. Jeder Mensch hat das Recht auf Respekt, jeder Mensch hat das Recht auf Leben, auf Freiheit und Sicherheit. Jeder Mensch hat das Recht auf Schutz gegen Diskriminierung.

„Niemand darf willkürlich festgenommen, in Haft gehalten oder des Landes verwiesen werden“. All das steht in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der UN und trotzdem gibt es all diese Menschen, denen ihre Rechte nicht gewährt werden.

Man sollte doch häufiger seine Ummantelung der Geborgenheit verlassen und sich über Andere informieren, denn nicht jeder Einzelne kommt in die Nachrichten.

„Einen einzelnen Brief können die Behörden ungelesen wegwerfen, aber Tausende von Schreiben, die auf die Einhaltung der Menschenrechte pochen, lassen sich nicht ignorieren.“ Darauf sollten wir bauen.

Quellen: www.amnesty.de/briefmarathon, https://www.amnesty.de/alle-30-artikel-der-allgemeinen-erklaerung-der-menschenrechte, Wikipedia

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