In den letzten Wochen erregte eine neue, weltweite Jugendbewegung mit ihren wöchentlichen Schulstreiks für das Klima viel Aufmerksamkeit. Doch was genau hat es mit der Bewegung auf sich? Warum bestreiken sie die Schule? Und was sind ihre Ziele?
Das haben sie nun in einem Offenen Brief an Lehrer*innen und Schulleitungen dargelegt:

“Sehr geehrte Schulleiter*innen, Sehr geehrte Lehrer*innen,

wie Sie ja bereits alle vernommen haben, gibt es eine Bewegung von jungen Menschen namens FridaysForFuture, die sich für eine konsequente und effektive Klimapolitik einsetzt. Diese ist auf Initiative von Greta Thunberg, einer schwedischen Schülerin, entstanden, die zu Beginn dieses Schuljahres in den Schulstreik getreten ist, um auf den Klimawandel aufmerksam zu machen. Mit dem Motto „Warum soll ich heute lernen, wenn meine Zukunft in Gefahr ist?“ fing es im Kleinen an, erregte medial immer mehr Aufmerksamkeit und führte sogar dazu, dass Greta Thunberg auf der Klimakonferenz in Katowice sprechen durfte und zum Weltwirtschaftsgipfel nach Davos eingeladen wurde.

Mittlerweile machen es ihr weltweit zehntausende Schüler*innen, Studierende und Auszubildende nach und protestieren öffentlichkeitswirksam gegen den Klimawandel anstatt in die Schule zu gehen.

Auch in Leipzig hat sich eine FridaysForFuture-Ortsgruppe gegründet, die bereits einige Aktionen geplant und durchgeführt hat, unter anderem eine große Demonstration am 18.01.2019, zu der 700 Teilnehmende kamen.

Im Vorfeld dieser Demonstration hat der StadtSchülerRat Leipzig eine Stellungnahme herausgegeben, in der er sich zu unseren Zielen unterstützend äußerte, sich jedoch klar gegen die Protestform des Schulstreiks positionierte. Daher ist es uns nochmal wichtig unsere Sicht auf den Schulstreik zu erklären und vor allem unser politisches Anliegen:

Wir halten den Schulstreik für das wirksamste politische Mittel junger Menschen, um Aufmerksamkeit für unsere Themen zu generieren. Ebenso sind wir uns sicher, dass Greta Thunberg niemals so viel hätte erreichen können, wenn sie einfach in ihrer Freizeit auf die Straße gegangen wäre. Gleichzeitig wissen wir um die rechtliche Lage: Uns ist bewusst, dass es kein Streikrecht für Schüler*innen gibt. Ebenso sind wir uns im Klaren darüber, dass bewusstes Fernbleiben vom Unterricht in Konflikt mit der Schulpflicht steht. Nichtsdestotrotz haben alle, auch Schüler*innen, das Recht auf Meinungs- und Versammlungsfreiheit und dürfen ihr Demonstrationsrecht nutzen. Und das muss nicht mal im Verborgenen oder unter dem Gesichtspunkt des „Schwänzens“ passieren, denn in der Schulbesuchsordnung wird festgelegt, dass Schüler*innen sich aus verschiedenen Gründen vom Unterricht auf Antrag ihrer Eltern beurlauben lassen dürfen. Was uns zu der Frage führt: Welchem Zweck dient Schule? Auch dies ist in §1 (3) des SächsSchulG festgelegt: „Die schulische Bildung soll zur Entfaltung der Persönlichkeit der Schüler in der Gemeinschaft beitragen. (…)“ Daran anknüpfend stellen wir uns die Frage, was trägt zu jener Entfaltung mehr bei als aktive politische Teilhabe? Sollte es nicht unsere aller Streben sein, Schüler*innen dazu zu bewegen sich mit den politischen Themen unserer Zeit auseinanderzusetzen, sich dazu zu positionieren und ihre Meinung kund zu tun?

Zusammenfassend gesagt: Uns ist klar, dass der Schulstreik aktuell keine rechtlich anerkannte Protestform ist und es nicht die dauerhafte Lösung sein kann dem Unterricht fernzubleiben, doch wir sehen uns gezwungen zu diesem politischen Mittel zu greifen.

Wir sehen uns deshalb gezwungen, weil unsere eigene Zukunft durch den Klimawandel bedroht wird. Die aktuelle Politik tut zu wenig für den Umweltschutz und zu wenig gegen den Klimawandel. Sie schiebt das größte existenzielle Problem unserer Zeit von sich weg, davon ausgehend, dass wir die Konsequenzen hinnehmen. Doch das wollen wir nicht und das können wir nicht. Uns geht es um nichts weniger, als die Erhaltung dieses Planeten, die Erhaltung unserer aller Lebensgrundlage. Deshalb werden wir allen Widrigkeiten zum Trotz weiter protestieren. Wir werden weiter das Thema Klimawandel in den Öffentlichen Diskurs bringen, damit endlich gehandelt wird.

Daher haben wir auch eine Bitte an Sie: Bitte lassen Sie uns nicht gegeneinander arbeiten. Schließlich geht es in der aktuellen Klimakrise nicht nur um unsere Zukunft, sondern ebenso um Ihre. Um die Ihrer Kinder, Ihrer Enkelkinder und allen nachfolgenden Generationen. Statt Ihren Schüler*innen die Teilnahme an den politischen Aktionen zu erschweren, würden wir uns freuen, wenn Sie mit uns in Kontakt treten und wenn wir gemeinsam uns Alternativen überlegen können.

Einige Schulen haben das bereits getan: Sie haben zum Beispiel durch Muster-Freistellungsanträge ermöglicht, dass die Schüler*innen sich gemeinsam freistellen lassen konnten und auch gemeinsam an der Demonstration teilnehmen konnten. Andere haben bewusst Werbung für die Demonstration gemacht oder sogar exkursionsähnliche Formate organisiert.

Für Freitag, den 15.02.2019, ist um 12.30 Uhr am Willy-Brandt-Platz die nächste große Demonstration geplant. Wir haben die Demonstration bewusst auf den letzten Schultag vor den Ferien gelegt, in der Annahme, dass es in diesem Fall ein Leichtes sein dürfte, dass die Schüler*innen nach ihrer Zeugnisausgabe, die Schule verlassen können und hoffen auf Ihre Kooperation.

Für weitere Fragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung!

Mit freundlichen Grüßen

Lena Engemann, 11. Klasse, Johannes-Kepler-Gymnasium
Michael Neuhaus, Master Biologie
Tom Richter, Freiwilliges Ökologisches Jahr – Landessprecher Sachsen Sophia Salzberger, 12. Klasse, Robert-Schumann-Gymnasium
Freya Schlabes, 10. Klasse, Robert-Schumann-Gymnasium
Ita Weinrich, 11. Klasse, Johannes-Kepler-Gymnasium”

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